Erste Polizeikirche in Dienst genommen

Gesellschaft: Gottesdienst mit zahlreichen Polizeibediensteten

Gottesdienst in Deutschlands erster Polizeikirche. Foto: Killyen

Dessau-Roßlau – Die evangelische Kirche im Dessau-Roßlauer Ortsteil Großkühnau ist Deutschlands erste Polizeikirche. Sie wurde in einem Gottesdienst am gestrigen Mittwoch in Anwesenheit von Vertretern des Landes und der Kommunen, der Polizei und der Evangelischen Landeskirche Anhalts offiziell in Dienst genommen. Über 130 Besucher nahmen an dem Gottesdienst teil.

Die neoromanische Großkühnauer Kirche, die zu den Kirchen des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches gehört (UNESCO-Welterbe) und sich im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt befindet, soll künftig neben ihrer Funktion als Gemeindekirche künftig auch ein Ort der Besinnung und Begegnung für Polizeibedienstete sein. Dazu wird die Kirche regelmäßig und verlässlich geöffnet sein.

„Die Polizeikirche soll wie alle Kirchen für Gottesdienst, Gebet, Andacht, Einkehr und Besinnung da sein“, sagte der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig in seiner Predigt. „Wenn Polizeibeamte und ihre Angehörigen hierher kommen und diese Angebote annehmen, ist das nicht begründungspflichtig und es findet auch keine unstatthafte Vermischung kirchlicher und staatlicher Einflussbereiche statt. Ich bin stolz, dass die Idee einer Polizeikirche verwirklich werden konnte.“

Ministerialdirigent Karl-Heinz Wilberg aus dem Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt betonte: „Polizeipfarrer leisten einen sehr wichtigen Beitrag zur Arbeit der Polizei, es gibt eine große Nachfrage nach Seelsorge. Kirchen und für die Polizeibediensteten jetzt besonders die Kirche hier in Großkühnau sind Orte des Schutzes, der Geborgenheit und des Trostes.“ Wilberg dankte der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Christusgemeinde Großkühnau Ziebigk für ihre Unterstützung und überreichte dem Seelsorgebeirat der Polizeidirektion Ost ein Gästebuch, das in der Kirche Großkühnau ausliegen wird.

Michael Bertling, Landespolizeipfarrer der Evangelischen Landeskirche Anhalts, verwies im Gottesdienst auf das Motto der Polizeiseelsorge „Gott der Herr ist Sonn und Schild“, das deutlich mache, in der Nähe Gottes sei niemand ungeschützt. Ortspfarrer Stephan Grötzsch wandte sich an die zahlreichen anwesenden Polizeibeamtinnen und –beamten: „In unserer Kirche dürfen Sie auch einmal nicht im Dienst sein und sich beschenken lassen.“

Die Initiative für eine Polizeikirche ging 2012 vom anhaltischen Kirchenpräsidenten Joachim Liebig aus. Der Seelsorgebeirat nahm die Idee auf und schlug als geeigneten Ort die Kirche Großkühnau vor. Die zuständige Kirchengemeinde Großkühnau-Ziebigk unterstützte das Anliegen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von einem Blechbläserquintett des Landespolizeiorchesters und der Dessauer Kantorin Irene Herrmann an der Orgel gestaltet.

Hintergrund: Polizeiseelsorge

Polizeiseelsorge ist ein Angebot der evangelischen Kirche an der Schnittstelle zwischen Kirche und Staat. Sie richtet sich an Menschen, die mit der Ausübung des staatlichen Gewaltmonopols beauftragt sind. Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger sind innerhalb der Polizei tätig, jedoch nicht in deren Hierarchie eingeordnet. Seelsorgerliche Gespräche, die sie mit Polizistinnen und Polizisten führen, unterliegen der Verschwiegenheit und dem Beichtgeheimnis.

Polizeiseelsorger stehen, in den Dienststellen wie bei Hausbesuchen, im Kontakt zu Polizeibeamten aller Dienstgrade und sind gerade vor und nach belastenden Einsätzen (etwa Demonstrationen, schweren Verkehrsunfällen oder gewalttägigen Auseinandersetzungen) mit seelischem Beistand zur Stelle. Sie begleiten auch Einsätze und sind an Fortbildungen für Polizistinnen und Polizisten zum Thema Berufsethik beteiligt.

Auskunft erteilt: Pfarrer Michael Bertling, Tel. 0162 / 275 4202

Informationen zur Kirche Großkühnau

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