Hermann Cohens religiöser Sozialismus

Landeskirche: Vortrag und Buchvorstellung über Philosophen

Buchtitel Cohen-Lesebuch

Dessau-Roßlau – Dem aus Coswig (Anhalt) stammenden bedeutenden Philosophen Hermann Cohen ist am Dienstag, 22. November, 17.00 Uhr, im Raatssaal Coswig ein Vortrag der Evangelischen Erwachsenenbildung und der Evangelischen Akademie gewidmet. Unter dem Titel „Ich bestreite den Hass im Menschenherzen – Hermann Cohens religiöser Sozialismus“ wird Dr. Hartwig Wiedebach vom Hermann Cohen Archiv Zürich referieren.

Zugleich wird ein von Dr. Bernd G. Ulbrich (Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau-Roßlau) und Pfarrer Albrecht Lindemann (Ev. Erwachsenenbildung Anhalt) herausgegebenes Cohen-Lesebuch vorgestellt. Der Band ist im Auftrag der Evangelischen Landeskirche Anhalts entstanden. Grußworte halten am 22. November der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig und die Coswiger Bürgermeisterin Doris Berlin.

Leseprobe – pdf, 4 MB

Hintergrund: Hermann Cohen

Hermann Cohen (1842-1918), einziges Kind des Coswiger jüdischen Kantors und Lehrers Gerson Cohen und seiner Ehefrau Friederike geb. Salomon, war als erster Jude im Wilhelminischen Kaiserreich Professor für Philosophie. Er begründete die Marburger Schule des Neukantianismus, eine der produktivsten philosophischen Arbeitsgemeinschaften der jüngeren Geschichte. Zugleich war er einer der prägenden Denker des deutschen Judentums jener Epoche.

Aus Hermann Cohens lebenslangem Ringen mit grundlegenden Fragen und Aufgaben unserer Kultur – Erkenntnis, moralisches Handeln, künstlerisches Gestalten, vernunftgeleitete Religion u.a. – entsprang, große abendländische Geistestraditionen zusammenführend, ein Werk von enormer geistiger Weite und humanistischer Kraft – ein auch heute keineswegs veraltetes Lebenswerk. In seinem Vortrag führt der renommierte Cohen-Kenner Hartwig Wiedebach mitten in eine zentrale Dimension des Cohenschen Werkes hinein: seinen religiösen Sozialismus. Dessen Wurzeln liegen im Messianismus der Propheten Israels und im kategorischen Imperativ Immanuel Kants. „Es darf keinen Unterschied unter den Menschen geben“, so Cohen, „der ihren Charakter, als Selbstzweck in der Kultur der Menschheit und des Staates zu arbeiten, bei dieser Arbeit vernichtet und vereitelt.“

So deutlich, wie Cohen die Würde des Menschen betont, fordert er die radikale Aufgabe des Materialismus. Die Evangelische Landeskirche Anhalts unterstreicht im Rahmen ihres Engagements für das Jubiläumsjahr „Anhalt 800“ mit der Herausgabe eines neuen Hermann Cohen Lesebuches die Bedeutung des Beitrages der Juden zur Geschichte des Landes. Neben Moses Mendelssohn gehört Hermann Cohen zu den herausragenden jüdischen Denkern aus Anhalt, geprägt nicht nur von seiner „kleinen Vaterstadt“, sondern auch durch die Schulzeit in Dessau, damals ein Zentrum der liberalen jüdischen Reformbewegung.

Literatur
Hermann Cohen – ein Lesebuch
Hrsg. von Dr. Bernd G. Ulbrich und Albrecht Lindemann
im Auftrag der Ev. Landeskirche Anhalts
200 Seiten, 19,95 Euro
Dessau-Roßlau 2012
ISBN 978-3-00-040170-1

Leseprobe – pdf, 4 MB

Auskunft und Bestellung: Albrecht Lindemann, Tel. 0340 / 216 772 12 oder albrecht.lindemann@kircheanhalt.de

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