Erfahrungen der Vergangenheit bewahren

Gesellschaft: Ergänzungsband zu „Jüdisches Leben in Anhalt“

Dessau-Roßlau – Die Kirchengeschichtliche Kammer der Evangelischen Landeskirche Anhalts hat bei einer Buchvorstellung erneut die große Bedeutung der Erforschung und Vermittlung jüdischer Geschichte in der Region hervorgehoben.

Dietrich Bungeroth stellt den Ergänzungsband vor (Foto: Peggy Rotter)

Anlass war die Präsentation eines Ergänzungsbandes zu der Publikation „Jüdisches Leben in Anhalt“, dessen Entstehung maßgeblich durch Dietrich Bungeroth, Mitglied der Kammer, geprägt wurde.

Für sein langjähriges Engagement sprach ihm die Landeskirche besonderen Dank aus. In seiner Würdigung betonte Dr. Jan Brademann, Archivar der Landeskirche, dass Geschichte nicht einfach vorhanden sei, sondern aktiv gestaltet werde. Sie basiere auf Quellen, Argumenten und dem Orientierungsbedürfnis der Gegenwart.

Zahlreiche Gäste kamen zur Buchvorstellung (Foto: Peggy Rotter)

Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur seien deshalb immer auch Gegenwartsarbeit. Angesichts gesellschaftlicher Stimmen, die einen „Schlussstrich“ unter die Geschichte fordern, müsse die Erinnerung an die Shoa wachgehalten werden. Die Verantwortung bestehe darin, Erfahrungen der Vergangenheit zu bewahren – gerade jetzt, da Zeitzeuginnen und Zeitzeugen immer weniger selbst berichten können.


Das 90seitige Buch „Jüdisches Leben in Anhalt – 2025“ führt zu Orten in Anhalt, wo seit 2021 durch viele Initiativen und öffentliche Förderung neue Erinnerungsorte entstanden sind. Gezeigt werden etwa Fotos von der Einweihung der neuen Weill-Synagoge und von der 30-Jahr-Feier der Jüdischen Gemeinde zu Dessau. Auch die aufwändige Sanierung der Kapelle auf dem Jüdischen Friedhof von Köthen wird beschrieben, auf deren Kuppel 2026 wieder ein Davidsstern angebracht werden soll. Das bis 2024 grundhaft erneuerte Museum Synagoge Gröbzig wird mit ausgewählten Fotos dargestellt, wie auch die neuen Stolpersteine in der Stadt.

Der Ergänzungsband zum Buch „Jüdisches Leben in Anhalt (Foto: Peggy Rotter)

Aufgenommen sind in dem Band auch Erinnerungsorte unter anderem in Güsten, Radegast, Sandersleben, Zerbst, Ballenstedt, Hoym, Güsten, Bernburg und Nienburg. Finanziert wurde die Publikation durch Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt und private Spenden. Das Buch kann kostenfrei über die Evangelische Landeskirche Anhalts bezogen werden.

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