Liebe ist ein Geschenk Gottes
Glaube: Andacht zum Valentinstag von Pfarrerin Peggy Rotter
Dessau-Roßlau – Valentinstag: Mehr als nur rote Rosen?! Die Quelle der Liebe oder doch der Tag der Blumenhändler? Wenn wir an den 14. Februar denken, tauchen sofort vertraute Bilder auf: Schaufenster voller Herzen, Rosen zu überteuerten Preisen, und in den sozialen Medien perfekt inszenierte Paare, die uns entgegenlächeln.
Man könnte meinen, der Valentinstag sei eine Erfindung der Werbeindustrie. Doch sein Ursprung reicht weiter zurück, zu einem Mann namens Valentin von Terni.
Der Überlieferung nach traute er Paare, obwohl es verboten war, und bezahlte dafür mit seinem Leben und verstarb am 14. Februar 269. Er stellte die Liebe über die Angst.
Heute setzt uns dieser Tag oft unter Druck. Erst gestern sah ich eine Anzeige eines Baumarkts: „Wer meint, am 14. Februar brauchen Frauen keine Blumen: die Umzugskartons gibt es im Gang 22.“ Ein humorvoller Spruch – und doch zeigt er, wie sehr wir uns verpflichtet fühlen sollen. Wer in einer Beziehung lebt, spürt den Zwang zur Romantik. Wer allein ist, empfindet die eigene Situation an diesem Tag manchmal schmerzhafter als sonst.
Aber ist Liebe wirklich etwas, das wir an einem Datum im Kalender beweisen müssen? Die Bibel beschreibt Liebe anders – tiefer, tragfähiger: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4,16) Hier ist Liebe kein flüchtiges Gefühl, kein Herzchen-Emoji und kein Strauß roter Rosen. Liebe ist ein Zustand, eine Haltung, ja, das Wesen Gottes selbst. Sie entsteht nicht als Reaktion auf ein Geschenk, sondern ist die Quelle, aus der wir leben dürfen.
Wenn wir den Valentinstag aus dieser Perspektive betrachten, entdecken wir Bewegungen der Liebe, die uns tragen können. Da ist die empfangene Liebe: Wir müssen uns Liebe nicht verdienen. Wir werden bereits von Gott geliebt! Bedingungslos, mit all unseren Ecken und Kanten. Das nimmt den Druck vom 14. Februar und macht frei von der Frage, ob wir genug tun. Dann ist da die Liebe zum Nächsten. Valentin von Terni kümmerte sich um Menschen, unabhängig von ihrem Status. Wahre Liebe zeigt sich darin, dem anderen Gutes zu wollen gerade dann, wenn es nicht „rosig“ aussieht. Diese Liebe ist oft leiser als ein Rosenstrauß, aber unendlich viel wertvoller.
Und schließlich gehört auch die Liebe zu uns selbst dazu. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer sich selbst im Licht Gottes annimmt, kann auch anderen mit offenem Herzen begegnen. Selbstliebe ist kein Egoismus, sondern die Grundlage dafür, überhaupt lieben zu können.
Ob Sie heute Abend bei einem Candle-Light-Dinner sitzen oder allein auf dem Sofa: Sie sind wertvoll. Liebe ist kein Exklusivrecht für Paare. Sie ist ein Geschenk Gottes, welches wir jeden Tag neu geschenkt bekommen.
Peggy Rotter
Landespfarrerin für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien