Dessauer Theaterpredigten

Plakat der Dessauer Theaterpredigten

In Religion und Kunst suchen Menschen Bilder für die Welt, die ihnen begegnet, deuten Erfahrungen, drücken Emotionen und Visionen aus. Beide wurzeln tief in ihrer Geschichte und streben zugleich kraftvoll nach Neuem. Religion und Kunst wirken, wenn sie Menschen bewegen. In einer Gegenwart, die sich immer mehr dem Diktat der Ökonomie zu beugen scheint, sind Kirchen und Theater sichtbare Zeichen dafür, dass Sinn und Wert menschlichen Lebens nicht im Berechenbaren aufgehen.

Die Dessauer Theaterpredigten, verantwortet vom Anhaltischen Theater Dessau, der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien, dienen dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion und stehen so in der aufgeklärten und kulturfreundlichen Tradition Anhalts.

14. Dessauer Theaterpredigt zu Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür”

04.05.2014 | 14.30 Uhr

Kirche St. Johannis, Dessau-Rosslau

„Das ist das Leben! Ein Mensch ist da, und der Mensch kommt nach Deutschland, und der Mensch friert. Der hungert und der humpelt! Ein Mann kommt nach Deutschland! Er kommt nach Hause, und da ist sein Bett besetzt. Eine Tür schlägt zu, und er steht draußen.”

Dies sind die Vorzeichen, unter denen das Leben von Beckmann steht, dem Protagonisten des Dramas „Draußen vor der Tür” von Wolfgang Borchert. Die 14. Dessauer Theaterpredigt in der Johanniskirche nimmt am Sonntag, 4. Mai, 14.30 Uhr, Bezug auf die Inszenierung des 1947 uraufgeführten Stückes am Anhaltischen Theater. Premiere ist am Sonnabend, 26. April, um 20.00 Uhr, Regie führt Nele Weber. Die Theaterpredigt hält diesmal Geertje Perlberg, Pfarrerin der gastgebenden Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Die musikalische Ausgestaltung übernehmen der anhaltische Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund an der Orgel sowie Musikerinnen und Musiker des Anhaltischen Theaters.

Im Zentrum der Handlung von „Draußen vor der Tür” steht der deutsche Kriegsheimkehrer Beckmann, dem es nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern. Während er noch durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist, haben seine Mitmenschen die Vergangenheit längst verdrängt. Auf den Stationen seiner Suche nach einem Platz in der Nachkriegsgesellschaft richtet Beckmann Forderungen nach Moral und Verantwortung an verschiedene Personentypen, Gott und den Tod. Am Ende bleibt er von der Gesellschaft ausgeschlossen und erhält auf seine Fragen keine Antwort.

Texte der Theaterpredigten (pdf)

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Johannes Killyen

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