Zukunftsängste & „Mutausbruch“

Landeskirche: Zum „Forum Anhalt 2035“

Dessau-Roßlau – Mit dem Strategiepapier “Anhalt 2035” will die kleinste Landeskirche Deutschlands zukunftssicher werden. Die Herbstsynode hat das von einer Arbeitsgruppe in mehrmonatiger Arbeit entwickelte Papier diskutiert und mit einigen Änderungen im November beschlossen.

Austausch über die Strategie am 20. Januar in der Auferstehungskirche

Größere Landeskirchen, Politiker, Kirchenexperten und nicht zuletzt Medien nahmen den Beschluss mit Respekt zur Kenntnis und schauen darauf, wie Anhalt die Strategie umsetzt. Dr. Jan Brademann wird regelmäßig über der Prozess informieren

Liebe Schwestern und Brüder,

die Synode hat sich im November entschlossen, die Landeskirche sehr weitreichend umzugestalten. Regelmäßig soll künftig an dieser Stelle vom Fortgang des Prozesses berichtet werden.

Der Sonderausschuss „Strategie Anhalt 2035“ – ihm gehören die Synodalen Tim Borowski, Jan Brademann, Pfr. Andreas Janßen, Pfr. Andreas Müller, Claudia Pöschke, Sebastian Saß, Bärbel Spieker und Linus Tiefenau an – hat begonnen, die genannten Beschlüsse in den fünf Kirchenkreisen vorzustellen und sich Ihren Fragen, Sorgen und Anregungen zu stellen.



Entschließung und Beschlüsse zur Strategie „Anhalt 2035“



Am 13. Januar fand das erste „Forum Anhalt 2035“ um 18 Uhr in der Marienkirche Roßlau statt. Eine Woche später, am 20. Januar, waren wir dann zu Gast in der Auferstehungskirche Dessau. Mit über 60 und knapp 100 Interessenten waren beide Veranstaltungen sehr gut besucht. Auch der Landeskirchenrat und das Präsidium der Synode brachten sich in die Diskussion ein. Danke an Kreisoberpfarrerin Friedrich-Berenbruch und Kreisoberpfarrer Tobies sowie allen Helferinnen und Helfern vor Ort!


Ich selbst hatte jeweils die Aufgabe, am Beginn einen Überblick über die Entstehung und den Inhalt der Beschlüsse des Strategieprozesses zu geben. Drei Dinge waren und sind mir darin besonders wichtig: 1. Gemeinschaft 2. Evidenz und 3. Hoffnung.

1. Den Prozess begonnen zu haben, ist Wille der Synode. Sie repräsentiert die Kirchengemein-den, aber auch die Landeskirchengemeinde. Seit Jahrhunderten mit dem Namen Anhalt verbunden, ist diese Gemeinschaft eine Prämisse des Papiers. Aus ihr kommt es, ihr soll es dienen. Sie ist aufgefordert, in gegenseitigem Vertrauen die unvollkommenen und unfertigen Vorschläge des Strategiepapiers zielorientiert weiter zu treiben.

2. Als Teil der sichtbaren Welt muss die Kirche sich auf den Boden der Tatsachen stellen. Das bedeutet, anzuerkennen, dass wir nur noch eine kleine Minderheit sind und unsere Ressourcen in den nächsten Jahren noch weiter drastisch schrumpfen werden. Wir können unsere Zukunft nur dann selbstbestimmt gestalten, wenn wir unsere Aufgaben verringern und unsere Organisation so umstellen, dass wir viel Geld sparen und die Menschen spürbar entlasten.

3. Wir müssen mit harten Fakten planen, aber wir dürfen es in der Hoffnung tun, dass Gott in diesen Veränderungen, ja schon in den Umständen, die uns zu ihnen zwingen, etwas mit uns vorhat. Oberkirchenrat Franz Hoffmann, gewissermaßen unserer erster Kirchenpräsident, schreibt in seinen Memoiren zu 1918, „.. daß Gott die Welt regiert nicht bloß trotz [der], sondern auch durch die Torheit und die Sünde der Menschen und mit seiner Barmherzigkeit“ .

Ich habe an beiden Abenden sehr viel Kritiken und Anregungen, zum Teil auch Polemik, wahrgenommen und protokolliert. Das dient dazu, das vor uns Liegende inhaltlich (Was wollen wir erreichen und was muss eventuell anders gedacht werden?), aber auch organisatorisch (Wie können wir es erreichen und was können wir dabei besser machen?) zu optimieren.


Wenn ich diese Gedanken auf meine drei Kategorien wende, kann ich folgende Schlüsse ziehen:

1. Ja, es gibt ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft: Die Probleme von Kirche sind überall in Anhalt anders und doch vergleichbar. Aus ihnen sollen gemeinsame Zielvorstellungen erwach-sen. Groß ist daher der Wunsch nach Verständigung und Transparenz, nach gegenseitigem Sich-Zuhören, nach regelmäßigen Informationen, vielleicht sogar nach einem für alle nachvollziehbaren Fahrplan.

2. Gegenseitig zuhören und abnehmen müssen wir uns unbedingt unsere Sorgen und Ängste, sei es vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, sei es vor einer Auflösung oder Entmachtung der ei-genen Gemeinde oder immer größer werdenden Seelsorgebezirken. Doch das größte feststellba-re Bedürfnis zielt tatsächlich auf Wissen, auf Informationen darüber, wie genau denn nun die Zahlen sich entwickeln werden, und vor allem, was genau es nun mit der geplanten Umstruktu-rierung der Kirchenkreise zu Gebietsgemeinden auf sich hat: Wie sollen wir uns das vorstellen, was bringt es, wenn unterhalb dieser Ebene überwiegend Gemeinden als Körperschaften des Kirchlichen, nicht mehr des Öffentlichen Rechts – und möglichst wenige, fusionierte, liegen sol-len? Was sind die Vorteile? Wie vermeiden wir Kosten und neue Nachteile?

3. Beterinnen und Beter erbat sich ein Ausschussmitglied in Dessau; einen regelrechten „Mutausbruch“ wünschte uns dort ein Gemeindekirchenratsmitglied aus dem Kirchenverbund Mulde und Fuhne. Das Priestertum Aller Gläubigen ermutige uns Laien dazu, den Glauben selbst und fröhlich weiterzugeben, auch dann, wenn sich Strukturen ändern und Pfarrer fehlen, war zu hören. Dass wir in all dem Umstrukturieren den Glauben nicht vergessen dürfen, wurde immer wieder deutlich: Von ihm erhalten wir die Möglichkeit, in diesem Prozess auch „Freude-volles“ und „Chancenreiches“ zu entdecken (etwa wenn wir nach Partnern für die Erhaltung und Nutzung unserer Kirchen suchen): Gott eröffnet uns ganz neue Perspektiven, wenn wir uns nur genug von unseren irdischen Erfahrungen lösen. Und mindestens genauso wichtig: Um was es geht, ist nur vordergründig ein sozioökonomischer Prozess, der auf eine fundamentale Glau-benskrise reagiert. Wir brauchen daher eine Theologie der Transformation.


Wie geht es nun weiter? Die nächsten Abende unter dem Motto „Forum Anhalt 2035“ finden dienstags statt:

  • am 27. Januar, 18:00, Stiftssaal Gernrode
  • am 03. Februar, 18:00, Gemeindesaal St. Jakob Köthen (Bärteichpromenade)
  • am 17. Februar, 17:00, Kanzler-von-Pfau’schen Stiftung Bernburg.

Die von der Synode eingesetzte Kommission zur Erarbeitung einer neuen Kirchenverfassung wird sich am 16. Februar erstmals treffen, und auch zur Schaffung eines zentralisierten Gebäude- und Grundstücksmanagements wird es Anfang Februar ein erstes Arbeitstreffen geben. Angedacht sind ferner ein landeskirchliches „Forum Anhalt 2035“ für die Gemeindekirchenräte zum Thema „Gemeinden als Körperschaften des Öffentlichen oder Kirchlichen Rechts“ sowie ein Studientag zum Thema „Theologie der Transformation“.

Ich melde mich wieder!

Herzliche Grüße
Ihr Jan Brademann



Weiterführende Informationen

Veröffentlicht am