Forum „Anhalt 2035“ in Bernburg

Landeskirche: Reges Interesse am Austausch über die Strategie

Dessau-Roßlau – Volles Haus in Bernburg. Rund 70 Gäste sind zum Forum „Anhalt 2035“ gekommen. Es gab einen intensiven Austausch am Dienstagabend in der Kanzler-von-Pfau´schen Stiftung.

Kreisoberpfarrer Sven Baier beim Forum „Anhalt 2035“ in Bernburg

Kreisoberpfarrer Sven Baier sprach in seiner Andacht von neuem Wein in neuen Schläuchen, aber alter Wein sei milder. So heißt es im Lukas Evangelium. Damit machte er den Spannungsbogen zwischen Tradition und Erneuerung sehr anschaulich.

Anschließend erläuterte Dr. Jan Brademann, wie die Landeskirche Anhalts zukunftssicher werden kann.

Mit dem Strategiepapier “Anhalt 2035” will die kleinste Landeskirche Deutschlands zukunftssicher werden. Die Herbstsynode hat das von einer Arbeitsgruppe in mehrmonatiger Arbeit entwickelte Papier diskutiert und mit einigen Änderungen im November beschlossen. Seit Januar wird das Papier in fünf Foren in den Kirchenkreisen diskutiert. Die Arbeitsgruppe nimmt die Anregungen mit in die Gestaltung des weiteren Weges.

Dr. Jan Brademann wird regelmäßig über den Prozess informieren.
Hier sein Bericht vom 20.02.2026:

Liebe Schwestern und Brüder!

Am letzten Dienstag fand in Bernburg das fünfte „Forum Anhalt 2035“ statt. Seit Januar waren die Mitglieder des synodalen Sonderausschusses „Strategie Anhalt 2035“ und der Landeskirchenrat in den Kirchenkreisen unterwegs gewesen: in Roßlau (13.1.), Dessau (20.1.), Gernrode (27.1.), Köthen (3.2) und eben Bernburg (17.2.). Ziel war es, mit den ehren- und hauptamtlich Engagierten vor Ort über das Strategiepapier und die Beschlüsse der Herbstsynode ins Gespräch zu kommen.

Es sind schwierige Zeiten, nicht nur für uns als Kirche. Das Papier beschreibt darum vor allem Negatives: Rückgang und Rückbau. Gnadenlos nüchtern benennt es errechnete und prognostizierte Zahlen und fordert von uns Abschiede und Neuanfänge. Das tut weh. Wir können die Zukunft nicht voraussehen und müssen uns doch auf sie einstellen, müssen planen und vorausschauend handeln. Dafür hat Gott uns die Vernunft gegeben. Können wir uns aber von ihm dabei auch mit Hoffnung und vielleicht sogar Fröhlichkeit beschenken lassen?

In mir spürte ich davon zunächst nicht so viel. Ja, ich hatte kalte Hände: ‚Wie wird wohl die Stimmung sein?‘ Ja, mir war mulmig: ‚Wie kommen diese Zahlen und Pläne an?‘ Und ja, mir fiel es schwer, auf Angst und Unmut zu reagieren. Zum Kleinglauben kommt Stückwerkwissen – und so konnte ich, konnten wir auf manche wichtige Frage noch keine Antwort geben.

Nichts ist entschieden!

Ein grundlegendes Missverständnis wurde überall deutlich: Worüber wir zu sprechen haben, war nicht etwas, das bereits unmittelbare Rechtsfolgen für die Gestalt unserer Kirche hat (wie Gesetze und Verordnungen). Vielmehr ging es um Vorschläge der Synode, dem Vertretungsorgan aller mündiger Christen in und für ganz Anhalt, die zu diskutieren sind, bevor sie entweder (möglicherweise abgewandelt) in bewährte Verfahren einfließen und umgesetzt werden oder eben nicht.

Wir müssen reden!

Auch ein grundlegendes Bedürfnis wurde überall deutlich: Wir müssen über das Forum hinaus in Kontakt bleiben: Vieles ist offen, manche wichtige Frage erwuchs erst aus dem Gespräch. Ich will nur drei Felder nennen: erstens die Umstrukturierung der Gemeinden und Seelsorgebezirke – Stichworte: Körperschaften des öffentlichen oder des kirchlichen Rechts, Gebiets- und Ortsgemeinden, aber auch Fusionen; zweitens die Zukunft unserer Kirchen – Stichworte: Baulast und Gebäudemanagement, aber auch neue Nutzungskonzepte; drittens Bürokratieabbau und die Frage, was an Verwaltungsaufgaben zentralisiert werden muss oder kann oder gerade nicht zentralisiert werden sollte oder dürfte.

Wir müssen uns bewegen!

Mit den Begriffen „Ermöglichungskultur“ und „Ehrenamtskirche“ soll im Strategieprozess die wachsende Bedeutung des freiwilligen Engagements für die Kirche herausgestellt werden. Dafür sind Strukturen und Verfahren zu vereinfachen, aber nach und nach ganz sicher auch Haltungen zu verändern. Kann nicht die Not, dass die Pfarrerin nicht kommen kann, zu einer verheißungsvollen Tugend werden? „Wir müssen lernen, von Gott zu reden“, war von einem Gemeindemitglied in Bernburg zu hören. „Wir wollen viel mehr Frömmigkeit selbst organisieren und praktizieren“, fügt ein anderer hinzu, vielleicht auch in ganz neuen Formen. „Zur Not auch mit Pfarrer“, hieß es augenzwinkernd.

Endlich geht es los!

Die Foren waren mit zwischen 60 und 100 Teilnehmern sehr gut besucht; zumeist konnte man sich hinterher noch in kleinen Runden austauschen. Nicht überall, aber sehr überwiegend wurden der Strategieprozess und seine Zielrichtung begrüßt. Die Zeit des „Schönredens“ sei endlich vorbei, habe ich in Gernrode und Köthen vernommen; auf „Wir wollen uns vom Schwung des Strategiepapiers anstecken lassen“, lautete in Bernburg der Tenor mehrerer Beiträge.

Die Arbeit läuft!

Unterdessen fließen die Erkenntnisse der Foren und schriftliche Anfragen in die Diskussionen des Strategieausschusses ein. Auch die Verfassungskommission hat ihre Arbeit aufgenommen. Im Landeskirchenamt wird an künftigen Stellenplänen und ihren finanziellen, theologischen und organisatorischen Grundlagen ebenso gearbeitet wie an einer Übersicht über den Gebäude- und Grundstücksbestand der Landeskirche. Das Erste wird im April auf der Synode besprochen werden; das Zweite benötigen wir, wenn synodale und kirchenleitende Gremien, Gemeinden und Experten über die Zukunft der Kirchengebäude ins Gespräch kommen. Das soll nach der Frühjahrssynode sein.

Ich danke herzlich!

Ich darf danken: der Kreisoberpfarrerin und den Kreisoberpfarrern und ihren Helfern vor Ort, dem Landeskirchenrat und den Ausschussmitgliedern, vor allem aber allen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen, die kamen und damit zeigten, dass ihnen diese Kirche und ihre Zukunft wichtig ist. Kritische Fragen zu stellen, seine Sorgen und Nöte mitzuteilen, fällt selbst unter Geschwistern nicht leicht, zumal in so großen Runden. Danke auch für allen Zuspruch. Er hilft, weiter zu gehen.

Save the Date!

Zwei Veranstaltungen sind anzukündigen:

Anhalt 2035: Workshop für Gemeindekirchenräte
„Regiolokale Kirche: Gestaltung, Chancen und Risiken“
Samstag, 18. April 2026, 14-18 Uhr
Auferstehungskirche Fischereiweg 43, 06846 Dessau-Roßlau
Anhalt 2035: Studientag für Mitarbeitende im Verkündigungsdienst
„Theologie und Didaktik der Transformation“
Mittwoch, 29. April 2026, 10-14 Uhr
Gemeinde- und Diakoniezentrum St. Georg, Georgenstraße 13-15, 06842 Dessau-Roßlau

Die Einladungen zu beiden Veranstaltungen mit dem jeweiligen Programm und der Bitte um Anmeldung werden Anfang März verschickt. Bitte merken Sie sich den Termin schon einmal vor.

Strategie Anhalt 2035 – das klingt sehr straight, wie unsere Tochter sagen würde. Es war doch aber mehr als das: Wir haben gebetet und am Schluss gesungen und um Gottes Segen gebeten. Das Beste war das gegenseitige Zuhören. Und ein junger Vikar stand auf und sagte: „Ich komme bald! Ich freue mich auf Euch!“, und fügte der Runde die ersehnte Fröhlichkeit hinzu. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Und Gott ist dabei. Ich melde mich wieder.

Herzliche Grüße
* Ihr Jan Brademann*

(Für schriftliche Anfragen und Eingaben, aber gern auch für persönliche Gespräche, stehe ich gerne zur Verfügung: jan.brademann@kircheanhalt.de; Tel.: 0340/25261202.)


Zwischenbericht vom 22.01.2026


Liebe Schwestern und Brüder,

die Synode hat sich im November entschlossen, die Landeskirche sehr weitreichend umzugestalten. Regelmäßig soll künftig an dieser Stelle vom Fortgang des Prozesses berichtet werden.

Der Sonderausschuss „Strategie Anhalt 2035“ – ihm gehören die Synodalen Tim Borowski, Jan Brademann, Pfr. Andreas Janßen, Pfr. Andreas Müller, Claudia Pöschke, Sebastian Saß, Bärbel Spieker und Linus Tiefenau an – hat begonnen, die genannten Beschlüsse in den fünf Kirchenkreisen vorzustellen und sich Ihren Fragen, Sorgen und Anregungen zu stellen.



Entschließung und Beschlüsse zur Strategie „Anhalt 2035“



Am 13. Januar fand das erste „Forum Anhalt 2035“ um 18 Uhr in der Marienkirche Roßlau statt. Eine Woche später, am 20. Januar, waren wir dann zu Gast in der Auferstehungskirche Dessau. Mit über 60 und knapp 100 Interessenten waren beide Veranstaltungen sehr gut besucht. Auch der Landeskirchenrat und das Präsidium der Synode brachten sich in die Diskussion ein. Danke an Kreisoberpfarrerin Friedrich-Berenbruch und Kreisoberpfarrer Tobies sowie allen Helferinnen und Helfern vor Ort!


Ich selbst hatte jeweils die Aufgabe, am Beginn einen Überblick über die Entstehung und den Inhalt der Beschlüsse des Strategieprozesses zu geben. Drei Dinge waren und sind mir darin besonders wichtig: 1. Gemeinschaft 2. Evidenz und 3. Hoffnung.

1. Den Prozess begonnen zu haben, ist Wille der Synode. Sie repräsentiert die Kirchengemein-den, aber auch die Landeskirchengemeinde. Seit Jahrhunderten mit dem Namen Anhalt verbunden, ist diese Gemeinschaft eine Prämisse des Papiers. Aus ihr kommt es, ihr soll es dienen. Sie ist aufgefordert, in gegenseitigem Vertrauen die unvollkommenen und unfertigen Vorschläge des Strategiepapiers zielorientiert weiter zu treiben.

2. Als Teil der sichtbaren Welt muss die Kirche sich auf den Boden der Tatsachen stellen. Das bedeutet, anzuerkennen, dass wir nur noch eine kleine Minderheit sind und unsere Ressourcen in den nächsten Jahren noch weiter drastisch schrumpfen werden. Wir können unsere Zukunft nur dann selbstbestimmt gestalten, wenn wir unsere Aufgaben verringern und unsere Organisation so umstellen, dass wir viel Geld sparen und die Menschen spürbar entlasten.

3. Wir müssen mit harten Fakten planen, aber wir dürfen es in der Hoffnung tun, dass Gott in diesen Veränderungen, ja schon in den Umständen, die uns zu ihnen zwingen, etwas mit uns vorhat. Oberkirchenrat Franz Hoffmann, gewissermaßen unserer erster Kirchenpräsident, schreibt in seinen Memoiren zu 1918, „.. daß Gott die Welt regiert nicht bloß trotz [der], sondern auch durch die Torheit und die Sünde der Menschen und mit seiner Barmherzigkeit“ .

Ich habe an beiden Abenden sehr viel Kritiken und Anregungen, zum Teil auch Polemik, wahrgenommen und protokolliert. Das dient dazu, das vor uns Liegende inhaltlich (Was wollen wir erreichen und was muss eventuell anders gedacht werden?), aber auch organisatorisch (Wie können wir es erreichen und was können wir dabei besser machen?) zu optimieren.


Wenn ich diese Gedanken auf meine drei Kategorien wende, kann ich folgende Schlüsse ziehen:

1. Ja, es gibt ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft: Die Probleme von Kirche sind überall in Anhalt anders und doch vergleichbar. Aus ihnen sollen gemeinsame Zielvorstellungen erwach-sen. Groß ist daher der Wunsch nach Verständigung und Transparenz, nach gegenseitigem Sich-Zuhören, nach regelmäßigen Informationen, vielleicht sogar nach einem für alle nachvollziehbaren Fahrplan.

2. Gegenseitig zuhören und abnehmen müssen wir uns unbedingt unsere Sorgen und Ängste, sei es vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, sei es vor einer Auflösung oder Entmachtung der ei-genen Gemeinde oder immer größer werdenden Seelsorgebezirken. Doch das größte feststellba-re Bedürfnis zielt tatsächlich auf Wissen, auf Informationen darüber, wie genau denn nun die Zahlen sich entwickeln werden, und vor allem, was genau es nun mit der geplanten Umstruktu-rierung der Kirchenkreise zu Gebietsgemeinden auf sich hat: Wie sollen wir uns das vorstellen, was bringt es, wenn unterhalb dieser Ebene überwiegend Gemeinden als Körperschaften des Kirchlichen, nicht mehr des Öffentlichen Rechts – und möglichst wenige, fusionierte, liegen sol-len? Was sind die Vorteile? Wie vermeiden wir Kosten und neue Nachteile?

3. Beterinnen und Beter erbat sich ein Ausschussmitglied in Dessau; einen regelrechten „Mutausbruch“ wünschte uns dort ein Gemeindekirchenratsmitglied aus dem Kirchenverbund Mulde und Fuhne. Das Priestertum Aller Gläubigen ermutige uns Laien dazu, den Glauben selbst und fröhlich weiterzugeben, auch dann, wenn sich Strukturen ändern und Pfarrer fehlen, war zu hören. Dass wir in all dem Umstrukturieren den Glauben nicht vergessen dürfen, wurde immer wieder deutlich: Von ihm erhalten wir die Möglichkeit, in diesem Prozess auch „Freude-volles“ und „Chancenreiches“ zu entdecken (etwa wenn wir nach Partnern für die Erhaltung und Nutzung unserer Kirchen suchen): Gott eröffnet uns ganz neue Perspektiven, wenn wir uns nur genug von unseren irdischen Erfahrungen lösen. Und mindestens genauso wichtig: Um was es geht, ist nur vordergründig ein sozioökonomischer Prozess, der auf eine fundamentale Glau-benskrise reagiert. Wir brauchen daher eine Theologie der Transformation.


Der nächste Abend unter dem Motto „Forum Anhalt 2035“ findet am 17. Februar, 17:00 in der Kanzler-von-Pfau’schen Stiftung Bernburg statt.

Die von der Synode eingesetzte Kommission zur Erarbeitung einer neuen Kirchenverfassung wird sich am 16. Februar erstmals treffen, und auch zur Schaffung eines zentralisierten Gebäude- und Grundstücksmanagements wird es Anfang Februar ein erstes Arbeitstreffen geben. Angedacht sind ferner ein landeskirchliches „Forum Anhalt 2035“ für die Gemeindekirchenräte zum Thema „Gemeinden als Körperschaften des Öffentlichen oder Kirchlichen Rechts“ sowie ein Studientag zum Thema „Theologie der Transformation“.

Ich melde mich wieder!

Herzliche Grüße
Ihr Jan Brademann



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